Handelskammer Bozen
alter Tischler

Das Potential älterer Mitarbeitender

WIFO-Studie
Datum:  Mai 2026

Angesichts des zunehmenden Arbeitskräftemangels rückt das Potential älterer Beschäftigter verstärkt in den Fokus. Eine aktuelle Studie des WIFO – Instituts für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen beleuchtet, wie Mitarbeitende ab 55 Jahren motiviert und unterstützt werden können, länger im Erwerbsleben zu bleiben.

In Südtirol gibt es derzeit rund 39.000 unselbstständig Beschäftigte, die älter als 55 Jahre sind. Das entspricht etwa einem Fünftel der gesamten Mitarbeitenden. Eine repräsentative Befragung von 1.200 Beschäftigten dieser Altersgruppe und die Auswertung von Sekundärdaten zeigt, dass 44 Prozent dieser Mitarbeitenden bereit wären, auch nach dem Renteneintritt weiterzuarbeiten. Hochgerechnet entspricht dies einem Potential von etwa 17.000 Personen. Angesichts des prognostizierten Fachkräftemangels von bis zu 30.000 Arbeitskräften bis 2040 stellt diese Gruppe ein bedeutendes Reservoir dar, dessen Arbeitsleistung für die Gesellschaft wichtig ist.

Arbeitszufriedenheit als Schlüsselfaktor

Die Motive für eine mögliche Weiterarbeit beruhen überwiegend auf persönlichen Beweggründen. Zu den Hauptgründen zählen die Freude an der Arbeit, das Gefühl, gebraucht zu werden, der Wunsch nach sozialen Kontakten und die Verbundenheit mit dem Betrieb. Finanzielle Erwägungen spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Diejenigen, die keine Weiterarbeit wünschen, geben mehrheitlich an, den Ruhestand genießen zu wollen. Gesundheitliche Einschränkungen oder Diskriminierungserfahrungen sind nur selten ausschlaggebend.

Die Arbeitszufriedenheit ist ein entscheidender Faktor für die Bereitschaft weiterzuarbeiten. Ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten, ein hohes Gehalt, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und eine ausgewogene Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wirken sich besonders positiv auf die Arbeitszufriedenheit aus. Negativ wirkt sich hingegen eine hohe psychische und physische Belastung aus.

Neben der Arbeitszufriedenheit gibt es viele weitere Faktoren, die die Bereitschaft beeinflussen, auch nach dem Renteneintritt weiterzuarbeiten. Besonders hervorzuheben sind eine gute gesundheitliche Verfassung und finanzielle Situation. Unterschiede gibt es auch nach Branche, Geschlecht und Unternehmensgröße. Frauen und Beschäftigte im privaten Dienstleistungssektor sind weniger geneigt, länger zu arbeiten. Beschäftigte in kleineren Betrieben hingegen sind eher dazu bereit.

ältere Frau in einer Bäckerei

Was kann man tun?

Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um ältere Arbeitnehmende länger im Erwerbsleben zu halten?

Ein wichtiger Ausgangspunkt zur Stärkung der Erwerbstätigkeit älterer Mitarbeitender ist die Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen: Beschränkungen zur Weiterarbeit nach der Rente im öffentlichen Dienst sollten aufgehoben werden und die Bevölkerung sollte besser über die vielen Möglichkeiten der Weiterarbeit nach Renteneintritt informiert werden. Langfristig erscheint auch eine schrittweise Anhebung des tatsächlichen Rentenalters unumgänglich.

Zudem sind finanzielle Anreize erforderlich. Dazu zählen steuerliche Begünstigungen und die Befreiung von Sozialbeiträgen für diejenigen, die nach der Rente weiterarbeiten. Ein erster Schritt war etwa die Einführung der „neuen Voucher“ in Italien seit 2023, welche gelegentliche Kleinaufträge vorsieht und für Rentner besonders attraktiv ist, da die Einnahmen bis zu einem Jahreslimit von 5.000 Euro steuerfrei und mit der Rente kumulierbar sind. Maßnahmen dieser Art müssen stärker bekanntgemacht und ausgeweitet werden.

Altersgerechte Arbeitsbedingungen

Von besonderer Bedeutung ist es, die Arbeitszufriedenheit zu steigern. Betriebe können dies erreichen, indem sie eine wertschätzende Führungskultur etablieren, attraktive Entlohnungsmodelle anbieten und älteren Mitarbeitenden weiterhin interessante und entwicklungsorientierte Aufgabenfelder eröffnen.

Gleichzeitig muss die Reduzierung von Belastungen in den Fokus rücken. Dazu gehören neben präventiven Maßnahmen gegen Stress auch der vermehrte Einsatz ergonomischer Arbeitsplätze und technischer Hilfsmittel, um körperliche Anstrengungen zu verringern.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist der Ausbau der Flexibilität, vor allem durch die Bereitstellung von Teilzeitmodellen mit geringeren Wochenstunden, um die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben älterer Mitarbeitender zu gewährleisten.

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