Handelskammer Bozen
Wirtschaftsbarometer Verarbeitendes Gewerbe

Wirtschaftsbarometer Verarbeitendes Gewerbe

Zuversicht für 2025

Data: 
Mittwoch, 02. April 2025
Uhrzeit: 

Für das Südtiroler Verarbeitende Gewerbe war das Jahr 2024 durch stagnierende Umsätze und Investitionen gekennzeichnet. Allerdings verlangsamte sich auch der Kostenanstieg, sodass 87 Prozent der Unternehmen eine zumindest zufriedenstellende Ertragslage erreichen konnten. Trotz der Ungewissheit über die weltweite geopolitische Entwicklung blicken 94 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer zuversichtlich ins Jahr 2025. Dies geht aus der Frühjahrsumfrage des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.

Die schwache Nachfrage nach Industrieprodukten führte im Jahr 2024 zu einer Stagnation des Geschäftsvolumens im Südtiroler Verarbeitenden Gewerbe und kleinere Unternehmen verzeichneten sogar Umsatzeinbußen, insbesondere auf dem italienischen Markt. Der Absatz im Ausland wurde durch die Schwierigkeiten in der deutschen und österreichischen Wirtschaft gebremst. Die Südtiroler Exporte (ohne landwirtschaftliche Produkte) beliefen sich auf 6,5 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 1,9 Prozent gegenüber 2023 entspricht. Diese Zunahme ist aber hauptsächlich auf die Sektoren der Nahrungsmittel (+5,2 Prozent) und der elektrischen und elektronischen Geräte (+15,0 Prozent) zurückzuführen. Die Exporte von Maschinen gingen um 9,0 Prozent zurück und jene von Fahrzeugen und Komponenten für die Automobilindustrie sanken um 8,0 Prozent. Eine Verbesserung ergab sich bei der Entwicklung der Produktionskosten, die weniger stiegen als in der Vergangenheit. Insgesamt bewerten 87 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes die Rentabilität im Jahr 2024 als zumindest befriedigend. Die Beschäftigung wuchs weiter, wenn auch langsamer als in den letzten Jahren: 2024 waren im Südtiroler Verarbeitenden Gewerbe durchschnittlich über 35.300 Arbeitnehmer/innen beschäftigt, mit einem Anstieg von 0,6 Prozent gegenüber 2023.

Trotz der internationalen geopolitischen Spannungen blicken 94 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes zuversichtlich in das laufende Jahr. Das Umsatzwachstum wird auch heuer eher von den größeren Unternehmen getragen und wird voraussichtlich auf dem italienischen und den ausländischen Märkten besser ausfallen als auf dem lokalen Südtiroler Markt. Bei den Investitionen wird ein leichter Anstieg erwartet, vor allem bei Maschinen und Anlagen. Das Geschäftsklima ist im Druckgewerbe, in der Metallverarbeitung und im Maschinenbau besonders positiv. In diesen Branchen erwartet heuer etwa ein Drittel der Unternehmen eine gute Rentabilität. Auch in der Nahrungsmittelproduktion, in der Holzverarbeitung und in der Baustoffbranche sind die Ertragserwartungen für fast alle Unternehmen zuversichtlich. Große Besorgnis herrscht dagegen im Textil- und Bekleidungssektor, wo vier von zehn Unternehmen heuer von einer schlechten Ertragslage ausgehen.

Ertragslage im Verarbeitenden Gewerbe

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, kommentiert: „Nach einem schwierigen Jahr 2024 zeigt das Geschäftsklima im Südtiroler Verarbeitenden Gewerbe eine Besserung. Es ist wichtig, die technologische Innovation weiter zu fördern, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen auch auf den internationalen Märkten zu erhalten.“

Anmerkung: Das Verarbeitende Gewerbe umfasst alle Tätigkeiten, welche mit der Herstellung von Waren verbunden sind, wie zum Beispiel die Produktion von Nahrungsmitteln, Textilien und Bekleidung, Holzgegenständen und Möbeln, chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen, Kunststoffwaren, Metallerzeugnissen, Maschinen, Geräten, Fahrzeugen usw.

Es folgen die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände:

Andrea Cappello, Präsident pro tempore CNA-SHV Trentino-Südtirol
„Der Anfang des Jahres war für die kleinen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes nicht einfach und für die kommenden Monate sehen wir die Schatten der deutschen Krise und der globalen Instabilität. In Zukunft werden sich die KMUs an die technologische Revolution der künstlichen Intelligenz anpassen müssen. Sie sind bereit loszulegen, aber sie brauchen Beratung zu den KI-Lösungen, die für sie geeignet sind, sowie subventionierte Kredite und steuerliche Anreize, um die Innovationskosten zu decken.“

Hannes Mussak, lvh-Vizepräsident
„Es ist äußerst erfreulich, dass insbesondere das Druckgewerbe, die Metallverarbeitung und der Maschinenbau wieder optimistisch in die Zukunft blicken, nachdem diese Branchen in den letzten Jahren mit Herausforderungen zu kämpfen hatten. Dies unterstreicht die positive Entwicklung in zentralen Industriezweigen und stärkt die wirtschaftliche Dynamik. Besorgniserregend bleibt hingegen die Lage in der Textil- und Bekleidungsbranche, wo ein erheblicher Teil der Unternehmen weiterhin mit einer schwierigen Ertragslage rechnet.“

Heiner Oberrauch, Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol
„Die schwierige geopolitische Lage, die Unsicherheiten auf den Weltmärkten, wie die Zollankündigungen der USA, stellen das Verarbeitende Gewerbe vor große Herausforderungen. Unsere Unternehmen haben vorausschauend gehandelt und sind gut aufgestellt, allerdings braucht es unbedingt auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.“

Kontakt

WIFO - Institut für Wirtschaftsforschung

0471 945 708