Handelskammer Bozen
Hannes Huebser

Nachhaltigkeitsreporting

Lästige Pflicht oder Chance?
Datum:  April 2025

2026 müssen große Unternehmen erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht nach den neuen EU-Standards veröffentlichen. Wir haben bei Hannes Huebser, Geschäftsführer von Progress Software Development (PSD) in Brixen nachgefragt, inwieweit automatisierte Lösungen bei der Datenerhebung helfen können.

Herr Huebser, auch für die Südtiroler Betriebe bringt das neue Nachhaltigkeitsreporting einiges an Mehraufwand mit sich. Wie gut sind sie Ihrer Erfahrung nach darauf vorbereitet?
Hannes Huebser: Ich denke, dass die Thematik wegen der neuen EU-Richtlinie bei Südtiroler Firmen stärker ins Bewusstsein gerückt ist. Auch Beraterfirmen bieten bereits Unterstützung, wenn es darum geht, ein Reporting aufzubauen. Noch sind die Anforderungen aber nicht allzu hoch, weil man etwa bei Wasser- und Stromverbrauch, aber auch bei der Spezifizierung und Herkunft der verwendeten Materialien mit Jahresdurchschnitts- und nicht mit Tageswerten arbeiten kann. Weil aber die ganze Lieferkette gefordert ist, müssen sich alle mit dem Thema auseinandersetzen.

Ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung nur eine lästige bürokratische Pflicht oder doch mehr?
Das hängt von der eigenen Herangehensweise ab. Man kann das Reporting, sagen wir einmal, sehr pragmatisch sehen und einen Bericht um des Berichts willen abliefern. Man kann die Datenerhebung für das Reporting aber auch als Chance nutzen und aus den Daten beträchtliches Einsparungspotenzial erkennen.

Haben Sie es in Ihrem Betrieb selbst so gehandhabt?
Ja, wir haben geschaut, welche Verbräuche wir in der Produktion haben und anhand der Daten auch analysiert, ob es beispielsweise Sinn ergibt, Maschinen im Standby laufen zu lassen oder kontrolliert abzuschalten. In manchen Bereichen haben wir so 10, 15 Prozent Energie einsparen können.

Nachhaltigkeits-Reporting

Und wie sieht es bei Ihren Kunden aus?
Unsere Kunden sind vor allem Betonfertigteilwerke und Stahlverarbeitungsbetriebe, für die wir Software- Lösungen, etwa ERP und MES-Systeme anbieten. So haben wir bereits historisch sehr viele Daten im System. Unsere Idee war nun, unseren Kunden die Chance zu bieten, über diese Systeme in Echtzeit verfolgen zu können, wie viel Strom, wie viel Wasser, wie viel Energie verbraucht wird, welche Materialien zum Einsatz kommen und woher sie stammen.

Was heißt in diesem Zusammenhang „strukturiert aufarbeiten“?
Anfangs erhebt man alle Daten und analysiert, ob und wo Einsparungspotenzial gegeben ist. Danach macht man sich Gedanken, wie man dieses Potenzial nutzen kann, ob es also Alternativen zum derzeitigen Ablauf gibt. Insgesamt helfen die Daten, Produkte von einer anderen Seite zu sehen. Man hat also nicht mehr nur die Effizienz im Blick, sondern auch die Nachhaltigkeit, die so zu einem integralen Bestandteil der täglichen Arbeit wird.

Kurz­bio­gra­fie

Hannes Huebser, geboren 1984, ist Managing Director von Progress Software Development, ein Unternehmen der PROGRESS GROUP in Brixen. Die PROGRESS GROUP entwickelt und produziert maßgeschneiderte Gesamtlösungen für die Betonfertigteilindustrie. Im Softwarebereich realisiert sie leistungsstarke Anwendungen für moderne Produktionen und unterstützt Kunden bei der Digitalisierung und Optimierung ihrer Geschäftsprozesse. Huebser hat Betriebswirtschaft an der Freien Universität Bozen studiert und ist bei PROGRESS GROUP für die strategische Entwicklung, den Vertrieb von digitalen Lösungen sowie für die globale IT verantwortlich.

Lesen Sie auch

Neue Kompetenzen sind gefragt
WIFI - Weiterbildung

Nachhaltigkeit

Das Bauen der Zukunft
Transformation als Chance

Das Bauen der Zukunft

Stefan Niedermair
Die Zukunft der Baubranche

Progress