Handelskammer Bozen
Sofía Sánchez und Irene Visentini

Sofía Sánchez und Irene Visentini

Die Kunst der Balance
Datum:  März 2026

Irene Visentini und Sofía Sánchez haben gemeinsam die Sozialgenossenschaft studio comune in Bozen aufgebaut, einen Ort für Coaching, Bildung und soziale Innovation. Acht Jahre haben sie dieses gemeinsame Projekt geführt, das Menschen beim Wachsen, Lernen und Zusammenarbeiten begleitet. Seit Anfang 2025 arbeiten sie als selbständige Unternehmerinnen weiter – verbunden durch gemeinsame Werte, Freundschaft und den Wunsch, Arbeit, Familie und Zeit für sich selbst in Balance zu bringen. Das gemeinsame Büro unter den Bozner Lauben nutzen sie weiterhin als Basis ihrer Arbeit.

Nach acht Jahren gemeinsamer Sozialgenossenschaft haben Sie sich mit Ende 2024 entschieden, als Selbständige durchzustarten. Warum?
Irene Visentini: Sofía und ich haben beide gespürt, dass die Struktur der Genossenschaft, die wir sehr schätzen, uns zwar Sicherheit gab, aber auch Grenzen setzte. Der Schritt in die Selbstständigkeit war für uns wie ein tiefes Aufatmen. Beide können wir jetzt noch intensiver tun, was wir wirklich möchten. Unsere Arbeit ist heute freier und fokussierter auf Inhalte und Wirkung.

Sie sagen, Sie arbeiten mit derselben Kraft weiter, aber freier. Was bedeutet diese Freiheit für Sie?
Sofía Sánchez: Diese Freiheit ist fordernd und gleichzeitig kostbar. Ich bestimme selbst, wann und mit wem ich arbeite, und habe dadurch mehr Leichtigkeit. Es ist nicht weniger Arbeit, sondern eine bewusste Wahl. Das hat auch die Beziehung zu Irene verändert und vertieft, mit der ich weiterhin zusammenarbeite. Irene, Sie arbeiten mit spielerischen Methoden wie LEGO® Serious Play® und Karten.

Was bewirkt das Spiel beim Thema Veränderung?
Irene Visentini: Spiel öffnet Türen, die Worte oft verschließen. Es macht Gefühle, Ideen und Wünsche sichtbar und erlaubt, ohne Angst zu experimentieren. Spielen schafft einen sicheren Raum, der Offenheit und Entwicklung fördert.

Studio comune hat über 150 Initiativen und Programme umgesetzt

Wer sind Ihre Kund/innen, und was suchen diese bei Ihnen?
Sofía Sánchez: Viele unserer Kund/innen kommen aus Schulen, Organisationen, Unternehmen oder Gemeinden. Sie suchen keine schnellen Lösungen, sondern Begleitung, Menschen, die zuhören und beim Finden von Sinn und Richtung unterstützen. Es geht bei unserer Arbeit darum, das Wesentliche wieder zu spüren und die eigene Beziehung zu sich, zur Arbeit und zur Gemeinschaft zu klären.

Sie beschäftigen sich intensiv mit Gleichstellung. Wie sehen Sie das Thema Pension und Altersabsicherung für Frauen?
Sofía Sánchez: Das ist noch immer ein blinder Fleck in der Gesellschaft. Viele Frauen geben so viel, aber am Ende ihres Arbeitslebens fehlt ihnen die finanzielle Sicherheit. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Sorgearbeit als Arbeit anerkannt wird, in der Teilzeit für alle normal ist. Dann können wir wirklich das Gleichgewicht leben, von dem so viele reden.

Kurzbiografie

Irene Visentini, in Bozen aufgewachsen, ist Vermittlerin, Trainerin und Expertin für soziale Innovation, Organisationsentwicklung und spielerische Pädagogik. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaften in Bologna arbeitete sie viele Jahre in Bildung, Freiwilligenarbeit und Genossenschaftswesen. Sie ist Mitgründerin von studio comune, Mutter von drei Kindern und verbindet in ihrer Arbeit Struktur, Kreativität und Empathie.

Sofía Sánchez, in Spanien aufgewachsen, ist Anthropologin, Coach und Trainerin für soziale Innovation, Talent- und Organisationsentwicklung. Sie arbeitete in Salamanca in sozialer Projektarbeit, die Liebe brachte sie nach Bozen. 2016 gründete sie mit Irene Visentini studio comune in Bozen. Als Coach begleitet die Mutter einer Tochter Menschen und Organisationen in Transformationsprozessen mit klarem Denken, feinem Humor und großer Menschlichkeit.

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