Chamber of Commerce of Bolzano
Rita Moling

Rita Moling

Die Kunst Beziehungen aufzubauen

Rita Moling lässt sich nicht so leicht unterkriegen und weiß sich anzupassen. Sie ist überzeugt, dass eine weibliche Komponente jedem Gastbetrieb guttut. In Zukunft wünscht sie sich noch mehr Frauen in der Politik.

Im Jahr 2004 standen Sie beruflich vor einem Scheideweg: Ihrer Leidenschaft oder den Bedürfnissen Ihrer Familie folgen?
Meine Entscheidung war spontan. Als meine Schwiegermutter verstarb, konnte ich meinen Mann nicht allein lassen. Meine Schwiegermutter war immer das Rückgrat der Familie und so habe ich nicht gezögert, ihrem Beispiel zu folgen und in den Familienbetrieb meines Mannes einzusteigen.

Eine instinktive Wahl, aber dennoch schwierig...
Zweifellos! Am Anfang war es für mich eine echte Qual. Aber es war unmöglich, beide Tätigkeiten und die Familie zu managen beziehungsweise alles unter einen Hut zu bringen.

Wie haben Sie die Veränderung erlebt?
Ich musste mich langsam an die neue Realität gewöhnen. Ich habe meinen Job als Angestellte mit geregelten, festen Arbeitszeiten und freien Tagen, die ich einteilen konnte, aufgegeben, um ein familiengeführtes Hotel zu leiten, in dem ich jeden Tag von morgens bis abends eine Vielzahl von Aufgaben erledige.

Haben Sie zuvor bereits Erfahrungen in der Hotelbranche gesammelt?
Keine. Ich musste alles lernen. Wenn wir heute zurückblicken, war es wirklich kompliziert, man denke nur an den einen veralteten Computer, den wir hatten!

Rita Moling führt zusammen mit ihrem Mann das Hotel Ciurnadù in Wengen.

Keine Angst vor einer Herausforderung also?
Auf keinen Fall! Mein Mann und ich haben viele Opfer gebracht, aber wir sind wirklich glücklich mit dem, was wir heute haben. Unsere gemeinsamen Erfahrungen haben uns reifen lassen und uns als Paar enger zusammengebracht.

Was bedeutet Gastfreundschaft für Sie?
Es geht darum, Menschen zu treffen, Beziehungen aufzubauen und zuzuhören. Ich fühle mich wie eine Mutter für 40 Personen, einschließlich meiner Mitarbeiter/innen und Gäste.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?
Ganz zufällig. Man war auf der Suche nach weiblichen Gemeinderatskandidaten und so wurde ich gebeten, mich zur Verfügung zu stellen. Zu meiner großen Überraschung erhielt ich bei den Vorwahlen die zweitmeisten Stimmen und bei den Wahlen war ich die meistgewählte Kandidatin auf meiner Liste.

Haben Sie das erwartet?
Ganz und gar nicht! Ich habe immer Prioritäten gesetzt: Erst die Familie, dann die Arbeit. Jetzt sind meine Kinder erwachsen und ich habe eine neue Herausforderung angenommen. Es war meine erste politische Erfahrung. Ich wusste nicht, worauf ich mich einließ.

Was halten Sie von Frauen in der Politik?
Die Erfahrung als Frau in der Politik hat mir auf persönlicher Ebene sehr geholfen. Ich habe viel dazugelernt und verstanden, wie die öffentliche Verwaltung funktioniert. Darüber hinaus habe ich etwas über Kommunikation gelernt und gesehen, wie viel Arbeit in der Politik steckt. Deshalb habe ich meine Meinung über die öffentliche Verwaltung geändert und großen Respekt vor den Menschen, die dort arbeiten. Ich lade Frauen ein, sich in der Politik zu engagieren, einem Bereich, in dem wir noch viel Nachholbedarf haben.

Info

Rita Moling wurde 1970 in Bruneck geboren und wuchs im Gadertal auf. Nach dem Besuch der Krankenpflegeschule in Bozen arbeitete sie über zehn Jahre lang als Krankenpflegerin. Seit mittlerweile 20 Jahren führt sie mit ihrem Mann das Familienhotel Ciurnadù im Gadertal. Seit 2015 ist sie Gemeinderätin in Wengen.

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