
Exportkontrolle
Der Service für Internationalisierung der Handelskammer Bozen unterstützt die Südtiroler Exportunternehmen durch Information und Beratung rund um die technische Exportabwicklung, unter anderem auch zum Thema Exportkontrolle. Dazu findet am 21. Mai 2026 ein kostenloses WIFI-Kompaktseminar mit Matthias Merz statt. Im Artikel erläutert der Experte, warum Exportkontrolle für Unternehmen im Außenhandel von zentraler Bedeutung ist.
Schon einzelne grenzüberschreitende Geschäfte stellen kleine und mittlere Unternehmen vor komplexe Fragestellungen. Nicht nur Zoll- und Steuerrecht, internationaler Zahlungsverkehr, Transportabwicklung, sondern auch das Thema Exportkontrolle wird dabei immer wichtiger. Über Jahre wurde die Exportkontrolle von vielen Unternehmen nicht so wahrgenommen und teils als bürokratisches Hindernis, oft auch als Exportverhinderer, gesehen.
Strategische Bedeutung
Heute ist das Bewusstsein für ihre strategische Bedeutung deutlich gewachsen. Verschärfte Sanktionen und erhebliche Haftungsrisiken haben gezeigt, dass die Exportkontrolle ein zentraler Bestandteil wirksamen Risikomanagements ist.
Exportkontrolle im geopolitischen Spannungsfeld
Die klassische Exportkontrolle prüft Güter, Länder, Personen und Endverwendungen. Durch aktuelle geopolitische Entwicklungen hat sich ihre Rolle grundlegend erweitert. Exportkontrolle ist heute mehr als nur eine reine Kontrollaufgabe. Sie wirkt zunehmend als Instrument im wirtschaftspolitischen Spannungsfeld zwischen den USA, China und der EU. Technologiebeschränkungen und extraterritoriale Regelungen zwingen Unternehmen dazu, zwischen unterschiedlichen Rechtsräumen sicher zu navigieren. Besonders die EU-Sanktionspakete gegen Russland, die seit Beginn des Ukraine-Kriegs kontinuierlich verschärft wurden, greifen tief in bestehende Geschäftsbeziehungen ein. Damit prägt die Exportkontrolle heute maßgeblich Marktentscheidungen, Lieferketten und internationale Partnerschaften.
Konsequenzen für die Unternehmenspraxis
Unternehmen sollten die Exportkontrolle fest in ihre Unternehmenssteuerung integrieren. Klare Zuständigkeiten, Freigabeprozesse mit Stopp- und Weisungsbefugnissen, Materialstammdatenmanagement, digital unterstützte Prozesse, eine kontinuierliche Beobachtung regulatorischer Entwicklungen sowie regelmäßige Schulungen der Mitarbeitenden sind entscheidend, um Rechtssicherheit zu gewährleisten und zugleich international handlungsfähig zu bleiben.

Matthias Merz, Geschäftsführer AWA Aussenwirtschafts-Akademie GmbH
WIFI-Kompaktseminar
Umgang mit Compliance-Regeln, Embargos und Sanktionslisten
Unternehmen, die am Außenhandel teilnehmen, stehen vor zunehmend komplexen Anforderungen im Bereich der Exportkontrolle. Embargos, Sanktionslisten und Genehmigungspflichten, insbesondere im Zusammenhang mit aktuellen Maßnahmen gegenüber Russland und Belarus, erfordern genaue Kenntnisse der geltenden EU-Regelungen.
Programm
- Systematik und Grundbegriffe der Exportkontrolle
- Genehmigungspflichten und Verbote in der Exportkontrolle: Embargobegriff
- Personenbezogene Beschränkungen: Kritische Länder/Embargos
- Besondere Embargo-Risiken z. B. indirekte Geschäfte, Umgehungsgeschäfte „Best efforts“ und Kauf- und Verkaufsverbote u.a.m.
- Umgehungsrisiken: Empfehlungen der EU-Kommission
- End-Use-Zertifikate und Absicherungen
- Organisation („ICP“), Empfehlungen für ein Exportkontroll-Compliance Programm
- Internetseiten für Recherche und Embargoprüfung
Das Event findet am 21. Mai 2026 vormittags statt.
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung bis 14. Mai 2026 ist erforderlich.






