
Anita Vittur
Es sind die Berge, die der Modedesignerin und Schneiderin Anita Vittur die Motive liefern. Nicht umsonst sind die Spitzen des Peitlerkofel in ihrem Modelabel integriert. Neben ihrer kreativen Arbeit organisiert sie Familie, akquiriert Aufträge, nimmt Maß für zu nähende Kleider und erstellt Inhalte für Social Media, Newsletter und Webseite.
1999 haben Sie Ihre eigene Schneiderei eröffnet. Ohne Zweifel?
Anita Vittur: Ich war 25 und überzeugt, dass es funktioniert. Die ersten Aufträge kamen von Musikkapellen, unter anderem aus Kolfuschg/Corvara. Für mehr als 50 Personen habe ich gemeinsam mit meiner Freundin und Kollegin Sara Declara ein Kostüm entworfen, keine Tracht im engeren Sinn, sondern eine funktionale Montur mit Tiroler Anleihen. Wir haben alles in Handarbeit gestickt und genäht. Dann folgten Trachtenarbeiten für die Musikkapelle Welschellen und viele weitere Vereine.
Vor Jahren haben Sie Ihren inhaltlichen Schwerpunkt verlagert.
Das Nähen von Trachten wurde mir zu eng. Ich wollte meine Kreativität stärker leben und habe mit meinen eigenen Kollektionen begonnen. Während der Pandemie habe ich online Tutorials für Masken gemacht, die Familien nähen konnten. Das hat mir und den Zusehenden Freude gemacht, aber auch Hoffnung geschenkt.
Wie entsteht ein Kleid bei Ihnen?
Ich entwerfe alle Schnitte selbst und nähe überwiegend auf Maß. Auf der Rückseite der Kleider und Hosen arbeite ich überall mit einem elastischen Einsatz, damit sie sich an den Körper anpassen und Bewegungsfreiheit ermöglichen. Jede meiner Hosen und Kleider hat Taschen. Kleidung muss benutzbar und praktisch sein. Mir ist es auch wichtig, Wissen zu teilen und nicht zu horten. Nur so bleibt unser Handwerk lebendig.

Ihre Kleider tragen alle ladinische Namen. Warum?
Die Namen meiner Designs tragen Freiheit in sich und kommen aus meiner Landschaft, aus Geschichten und Figuren der Dolomiten: Einen Rock habe ich Gana genannt. Gana ist eine Hexe oder Waldfrau aus ladinischen Sagen, Salvaria meint die Wilde, Dolasila ist die Königstochter des Fanes- Reichs, La Ballerina erinnert ans Tanzen.
Am 10. jedes Monats versenden Sie einen Newsletter.
Am 10. Dezember ist mein Geburtstag, der 10. jeden Monats ist „Anita-Tag“. Im Newsletter erzähle ich, woran ich arbeite: wie ein Schnitt entsteht, warum ich einen Stoff gewählt habe, wie lange ich für ein Teil brauche, was mich inspiriert. Ich mache keine klassische Werbung, sondern informiere und erzähle Geschichten.
Wie möchten Sie die nächsten Jahre gestalten?
Ich habe mir vorgenommen, weniger Modelle zu machen und davon mehr. Sonst verliere ich mich in meinen vielen Näh-Projekten. Gerne gebe ich weiterhin Workshops in der Schneiderei und auch außerhalb. Ich siedle außerdem in eine größere Schneiderei um.
Kurzbiografie
Anita Vittur ist Jahrgang 1975 und wuchs in St. Kassian (Alta Badia) in einer Unternehmerfamilie mit starkem Bezug zum Gastgewerbe auf. Nach der fünfjährigen Kunstschule in Cortina d’Ampezzo absolvierte sie in Verona eine vierjährige Ausbildung zur Schneiderin, Modellistin und Stylistin, inklusive des Studiums der Kostümgeschichte. 1999 eröffnete sie in ihrem Heimathaus eine Schneiderei. Neben der Arbeit für Musikkapellen und Trachtenvereine entwickelte sie eine eigene Modelinie. Anita Vittur näht vorwiegend auf Maß. Im Winter ist die freiheits- und naturliebende Frau auch als Skilehrerin tätig. Sie betreibt den Instagram-Kanal „langolodianita“ und verschickt monatlich einen Newsletter. Ihre Arbeit verbindet Handwerk, Landschaft und unternehmerische Selbstbestimmung.







